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Tipps für Eltern Seite 2

Sie sollten außerdem ganz allgemein nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Verlassen zu werden kommt gerade in der Pubertät dem Untergang des Abendlandes gleich und es will erst gelernt sein, damit richtig umzugehen. Wut, Frustration, Enttäuschung und Selbstzweifel ergeben ein explosives Gemisch, das oft in einer gewaltigen Entladung herausbricht. Wen die Wucht der Detonation letztendlich trifft, hängt überwiegend vom reinen Zufall ab und Sie haben gute Chancen mitten im Zielgebiet zu stehen. Diese Attacken sind eigentlich nie persönlich gemeint und gehen meist sogar mit einem schlechten Gewissen einher. Einer Entschuldigung steht allerdings oft der Coolnesszwang entgegen und Sie müssen sich wohl überwiegend mit einer zerknirschten Miene zufriedengeben. Zeigen Sie etwas Nachsicht.

Natürlich stellt Liebeskummer keinen Freifahrtschein dar, sich sämtliche Unverschämtheiten herauszunehmen. Speziell, wenn die schulischen Leistungen unter der Situation leiden, gilt es ermahnend einzuschreiten. Ein in doppelter Hinsicht empfehlenswerter Ratschlag, denn Sie erfüllen damit nicht nur Ihre sogenannte erzieherische Pflicht, sondern sorgen gleichzeitig für Ablenkung. Hausaufgaben erledigen, auf Prüfungen lernen und ganz banale Alltagsaufgaben wie zum Beispiel Tischdecken schaffen Normalität und schieben trübe Gedanken ein Weilchen beiseite. Erfolgserlebnisse, die aus gelungenen Schularbeiten oder dergleichen entstehen, sind zudem eine heilsame Selbstbestätigung.

Sie können zusätzlich gemeinsame Aktivitäten anbieten und die Kids aktiv in die Planung einbeziehen. Mit einem Besuch im Freizeitpark oder einem Ausflug auf die Schlittschuhbahn locken Sie selbst den widerspenstigsten Trauerkloß hinter dem Ofen hervor. Bei einem langweiligen Nachmittag mit den Großeltern dagegen werden Sie vergeblich auf begeisterte Zustimmung warten. Kreativität lautet hier das Zauberwort.

Drängen Sie Ihr Kind zu nichts, aber versuchen Sie unterstützend einzuwirken. Schlagen Sie vor, es auf Wunsch in einem Sportverein anzumelden, oder bestärken Sie Ihren Sohn/Ihre Tochter darin, mit Freunden etwas zu unternehmen. Als kleinen Anreiz könnten Sie vielleicht ausnahmsweise den Zapfenstreich ein wenig flexibler gestalten.
Es ist schwer die richtige Mischung zu finden und mit dem einen oder anderen Rückschlag sollten Sie rechnen. Bleiben Sie trotzdem am Ball und bewerten Sie Ablehnungen nicht über. Es ist ganz normal die ganze Welt scheiße zu finden, wenn eine Beziehung in die Brüche geht.

Wo Ihr Einfluss seine Grenzen findet:
In der überwiegenden Mehrzahl beschränkt sich der Liebeskummer von Kindern und Jugendlichen auf eine relativ harmlose Phase, in sie nach allen Regeln der Kunst leiden und ihre Eltern gelegentlich in den Wahnsinn treiben. Da ihre Entwicklung sich aber an einem ohnehin kritischen Punkt befindet, sind sie in Ausnahmefällen mit den über sie hereinstürzenden Emotionen überfordert.
Achten Sie deshalb auf bedenkliche Zeichen. Gerade bei Mädchen führt eine Trennung manchmal zu starken Selbstzweifeln und sie steigern sich als Folge in einen ungesunden Schönheitswahn. Vorübergehende Appetitlosigkeit ist verständlich, doch andauernde Nahrungsverweigerung und übertriebener Sport sind ernst zu nehmende Signale und eventuell erstes Anzeichen für eine beginnende Essstörung. Auch bei extremer Aggression, einem völligen Rückzug oder ähnlich depressiv anmutenden Verhaltensweisen über einen langen Zeitraum sollten Ihre Alarmglocken klingeln.
Dann dürfte die Inanspruchnahme professioneller Hilfe angeraten sein, denn auf eigene Faust werden Sie nichts erreichen.

Nicht unterkriegen lassen:
Wie gesagt, in Regeln handelt es sich nur um eine Phase, und bis die überwunden ist, halten Sie sich folgende tröstliche Tatsache stets vor Augen: Das Leben geht weiter und irgendwann sitzen Sie am Frühstückstisch wieder einem fröhlichen und (für pubertäre Verhältnisse) ausgeglichenen Teenager gegenüber. Schließlich haben wir alle den Verlust unserer einzig wahren Liebe (und der nächsten einzig wahren Liebe) früher oder später verarbeitet und uns zuversichtlich dem nächsten Projekt „Schmetterlinge im Bauch“ gewidmet.

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